Schutz & Verantwortung · 2 MIN. LESEZEIT

Geschäftsgeheimnisse und KI: Keine Namen heißt nicht unkritisch

Eine Kalkulation kann ohne einen einzigen Personennamen hochsensibel sein. Wer nur personenbezogene Daten sucht, übersieht möglicherweise den wertvollsten Teil des Dokuments.

Kurz erklärt

Personenbezug und geschäftliche Vertraulichkeit sind zwei verschiedene Prüffragen. Pseudonymisierung ersetzt Identitäten. Sie beseitigt nicht automatisch Informationen über Margen, Strategien, Verhandlungen oder technische Verfahren.

Was ein Geschäftsgeheimnis ausmacht

Nach § 2 GeschGehG gehören zur Einordnung unter anderem fehlende allgemeine Bekanntheit oder leichte Zugänglichkeit, ein daraus entstehender wirtschaftlicher Wert, angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen und ein berechtigtes Geheimhaltungsinteresse. Nicht jede intern markierte Information ist deshalb automatisch ein Geschäftsgeheimnis im rechtlichen Sinn.

Für den Arbeitsalltag bleibt Vertraulichkeit trotzdem eine eigenständige Frage. Vertragliche Verpflichtungen und interne Vorgaben können relevant sein, auch wenn die gesetzliche Einordnung noch nicht abschließend feststeht. Eine technische Erkennung kann eine juristische Prüfung nicht ersetzen.

Warum ein ersetzter Firmenname nicht genügt

Unser erfundenes Beispiel ist ein Angebot mit Materialkosten, Zielmarge und geplanter Untergrenze für Preisverhandlungen. Wird nur der Kundenname durch Unternehmen A ersetzt, bleibt die Verhandlungsposition im Text enthalten. Das Modell benötigt für eine sprachliche Überarbeitung möglicherweise keinen dieser Werte.

Ein anderes Beispiel ist eine technische Fehlerbeschreibung. Personen lassen sich daraus entfernen, während interne Systemnamen, Architekturskizzen oder bislang unbekannte Schwachstellen stehen bleiben. Solche Inhalte sollten getrennt von der Identitätserkennung bewertet werden.

Eine zweite Prüfung vorsehen

Frage nach dem fachlichen Auftrag: Soll die KI eine Argumentation verbessern, Zahlen vergleichen oder eine technische Ursache untersuchen? Markiere anschließend die Inhalte, deren Offenlegung wirtschaftliche oder operative Folgen haben könnte. Entscheide pro Inhalt, ob er erforderlich ist.

Für eine Textüberarbeitung können neutrale Platzhalter genügen. Für eine Kalkulationsanalyse kann ein passend eingeschränktes Betriebsmodell nötig sein. Ein bloßer Austausch von Namen liefert auf diese unterschiedlichen Aufgaben keine gemeinsame Antwort.

Technische Hinweise richtig einordnen

Psoydo beschreibt eine technische Vorprüfung auf Hinweise auf mögliche Geschäftsgeheimnisse. Solche Hinweise können die Aufmerksamkeit auf kritische Stellen lenken. Sie bestätigen weder das Vorliegen eines Geschäftsgeheimnisses noch die Zulässigkeit einer Weitergabe.

Ein sinnvoller Review hält deshalb fest, welche Stellen geprüft wurden, welche Informationen die freigegebene Fassung enthält und für welchen Empfänger sie gedacht ist. Offene Fragen gehören an die fachlich oder rechtlich zuständigen Personen, bevor der Inhalt die festgelegte Schutzgrenze verlässt.

Praxischeck

  • Personenbezug und Vertraulichkeit separat prüfen.
  • Preise, Strategien und technisches Wissen berücksichtigen.
  • Nur für die Aufgabe erforderliche Inhalte freigeben.
  • Technische Hinweise nicht als Rechtsentscheidung behandeln.

Quellen & Einordnung

Fachliche Orientierung; die Bewertung des konkreten Einsatzes bleibt erforderlich.

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